Montag, Juni 01, 2009

Zukünftige Arbeit: Flexibler und autonomer

Flexibler wird nicht die Arbeit, sondern hat die Arbeitskraft zu werden - im Zuge besserer Verfügbarkeit und Verwertbarkeit. Dabei hat sie sich von sich aus den - internalisierten - Leistungsanforderungen zu unterziehen und ein erweitertes Spektrum abzudecken: Selbstmarketing, Kreativität, Innovation, Krisenstabilität, Changemanagement, permanente Akkomodation.
"Autonomer" in Bezug worauf?
Abhängigkeiten werden bleiben, die Arbeitskraft muss weiter verkauft werden; die Autonomie bezieht sich nicht auf das Grundverhältnis, sondern auf einige eng limitierte Bereiche innerhalb des Abhängigkeitsverhältnisses - nur die Form könnte etwas anders aussehen.
"Autonomer" ist weniger als "autonom". Der Komparativ bringt zum Ausdruck, dass eben keine Autonomie besteht.
(Zu: Kalle, Matthias: Hausaufgaben. In: Zeit Magazin, 28.5.2009, S.27).

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Mittwoch, März 25, 2009

"Selbstunternehmer" (Matthias Horx)

"Im Mittelpunkt der neuen Arbeitswelt steht der Selbstunternehmer, der sich selbst ständig weiterbildet, seine Kompetenzen und Erfahrungshorizonte erweitert." (Horx, Matthias: Anleitung zum Zukunftsoptimismus. München 2009, S. 168).
Mit der Umbenennung des Arbeitskraftverkäufers in "Selbstunternehmer" ist nicht die Notwendigkeit der Lohnarbeit beseitigt. Impliziert ist Markt. Zwang wird als Grundlage vorausgesetzt, der Blick auf die etwas größeren Freiheitsgrade gerichtet. Dieser Zugewinn an Freiheit wird dazu benutzt, dei anderen einschränkenden Bedingungen in den Hintergrung treten zu lassen. Die Freiheit des "Selbstunternehmers" ist die Freiheit, den Verkauf seiner Arbeitskraft unternehmen zu müssen.

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Samstag, Februar 14, 2009

Doping für die Arbeit

heißt, dass man die Leistungsanforderungen anerkennt und sich ihnen unterzieht, obwohl sie überhöht sind;
dass man sich gegen Überforderung nicht zur Wehr setzt, sondern die eigene Leistungsgrenze durch Psychopharmaka hinauszuschieben versucht;
dass man die Risiken bewusst eingeht oder zumindest in Kauf nimmt;
dass das eigentliche Maß, die - variable, aber nicht unlimitierte - menschliche Leistungsfähigkeit, außer Kraft gesetzt wird zugunsten von Anforderungen, zu deren Erfüllung eine künstlich erhöhte Leistungsfähigkeit nötig ist;
dass ein mechanistisches Körperverständnis impliziert ist;
dass man Psychopharmaka als im wesentlichen monofunktional betrachtet;
ist ein Akt selbstschädigender Unterwerfung.

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Sonntag, September 28, 2008

Lauterbach II: Langzeitarbeitslose und Krebskranke

Dass das kein Lapsus war, zeigt eine ähnliche Formulierung:"Die Lebensqualität von Langzeitarbeitslosen ist nicht besser als die von Krebskranken." (Karl Lauterbach in "Zeit", 25.9.2008, S.15).
Wie ist "die" Lebensqualität von Krebskranken?
Krebserkrankungen welcher Art?
In welchem Stadium?
Ist das Auftreten von Bluthochdruck, Zucker, Herzkrankheiten, Depressionen eine hinreichende Grundlage für den Vergleich?
Wenn solche Fragen keine Rolle spielen:
Von welcher Qualität sind die Argumente, die hier zur Anwendung kommen?

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Donnerstag, September 25, 2008

Lebensqualitätsvergleich: Arbeitslosigkeit - Krebs (Lauterbach)

"Es ist schlimm, arm zu sein. Aber ungleich schlimmer ist, arm zu sein und keine Arbeit zu haben. Diese Menschen haben die Lebensqualität eines Krebskranken." (Karl Lauterbach in FR, 23.9.2008, S. 24).
Kennt Lauterbach die "Lebensqualität eines Krebskranken"? Was stellt er sich darunter vor - eine Durchschnittsgröße aus der Befindlichkeit unterschiedlicher Krebspatienten?
Kennt er den Unterschied zwischen einer durch Krankheit oder durch soziale Ereignisse verursachten defizienten Lebensqualität?
Kann er die unterschiedlichen Möglichkeiten für Verbesserung einschätzen?

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Montag, September 08, 2008

Heimarbeit und höhere Arbeitszufriedenheit - Veränderung der Umstände statt der Arbeit

Heimarbeit hat einige Vorteile. Die Bewertung bezieht sich aber auf die Umstände, nicht auf die Tätigkeit.
Das ist keine Kritik der Arbeit, ihrer Inhalte und Zwecke, sondern der Umstände , unter denen sie ausgeübt wird. Sie zielt auf "Verbesserung" der Arbeitsumstände und damit auf eine Form der "Umständezufriedenheit".

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Donnerstag, April 10, 2008

Japan: Mehr Frauen in die Arbeit (OECD)

"Angesichts der beschleunigten Veränderung der Alterspyramide, die Japan mit einem wachsenden Nachwuchsproblem konfrontiert, sei es unerlässlich, dass die weiblichen Arbeitskräfte besser in den Arbeitsmarkt integriert werden. Nur mit einem grösseren Anteil der Frauen am Pool der Arbeitskräfte könnten die Angebotsdefizite gemindert werden, die sich in den kommenden Jahren auch angesichts der Tatsache, dass Japan nicht auf Massenzuwanderung setzt, weiter verschärfen dürften." (NZZ Online, 9.4.2008).

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Montag, März 10, 2008

Frauen und Arbeit

"'Wir brauchen die Frauen, um die Arbeitskräftelücke schließen zu können.'"
"' Es muss ein kollektives Interesse daran bestehen, dass Frauen arbeiten können.'"
(Klaus Armbrüster, Richter am Bundesarbeitsgericht, zukünftiger Präsident des Verbands der deutschen Führungskräfte; zit. n. MZ, 7.3.2008).

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Samstag, März 01, 2008

Arbeit im Alter als "Alterskraftunternehmer"

Es war eine Errungenschaft, dass im modernen Sozialstaat im Alter keine Erwerbsarbeit notwendig war. Nun wird propagiert, dass Rentner als "Alterskraftunternehmer" (Stephan Lessenich, Jena; zit. n. "Zeit", 21.2.2008, S. 3) tätig werden; es geht um "die Fähigkeit, eigene Fertigkeiten zu vermarkten" ("Zeit", a.a.O.). Man wird sich daran "gewöhnen", es wird "selbstverständlich" sein - und überdies :" In vielen anderen Industrieländern ist das heute schon so" (a.a.O.).
Verkauft wird das üblicherweise als Möglichkeit der Selbstverwirklichung und der Identitätsstiftung bzw. -erhaltung über das "Gebrauchtwerden" - dafür kann man schon etwas in Bezug auf Fertigkeitsvermarktung tun.

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Mittwoch, Februar 06, 2008

Telearbeit und Effizienzsteigerung

Telearbeit wird als Mittel zur Effizienzsteigerung eingesetzt; sie dient zur besseren Ausschöpfung von Mitarbeiterpotentialen über einige "Freiheiten" und Motivation.
"Es erhöht die Selbständigkeit und damit auch die Motivation der Mitarbeiter." (Hede Gesine Fink, Personalabteilung der KVB Bayern, zit. n. SZ 5.2.2008, S.44).
"Auch das Arbeits- und Familienministerium bietet die Möglichkeit, um die 'Zufriedenheit, Produktivität und Effektivität' der Mitarbeiter zu erhöhen." (SZ, a.a.O.).
"Meist arbeiten sie mehr und wahrscheinlich auch besser als diejenigen, die man von neun bis fünf ins Büro zwingt" (Arnold Picot, BWL-Professor LMU München; zit. n. SZ, a.a.O.).

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Donnerstag, Dezember 06, 2007

Personal(bewußtseins)management: Fremdbestimmte Selbstbestimmung - eine mögliche Entwicklung?

"Tobias ist Geschäftsmann, Chef einer amerikanischen Energiefirma. Er kann seine Mitarbeiter so geschickt motivieren, dass sie meinen, sie würden ihren eigenen persönlichen Zielen nachgehen und sie verwirklichen." (Peters, Lutz: Klima 2055. Fakten - Illusionen - Visionen. München 2007, S. 27).
Sollte die Entwicklung so verlaufen (die aktuellen Methoden des Personalmanagements gehen in diese Richtung), hieße das:
Autonomie als Schein wird Mittel zur besseren Ausnutzung, die als Entfaltung interpretiert wird. Selbstbestimmung ist ein Synonym für geschickte Fremdbestimmung. Die Benutzten fühlen sich als Nutzer; sie können damit effizienter benutzt werden. Zusätzliche Motivation wird erzielt durch die Vorspiegelung von "Freiheit", das Gewähren größerer Freiräume durch die Hinausschiebung von Begrenzungen - die Grenzen bleiben aber bestehen. Die Verhältnisse bleiben undurchschaut. Das Personal "emanzipiert" sich von den bisherigen Zwägen, indem es auf neue hereinfällt, sich etwas vormachen lässt und selbst etwas vormacht. Das Bewußtsein beharrt im Status der Nicht-Sebstaufklärung. Die nicht als solche verstandene Benutzbarkeit bleibt in wirkungsvollerer Form bestehen.

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Freitag, November 09, 2007

Verkauf der Arbeitskraft

beinhaltet auch
Selbstvermarktungsbereitschaft und -fähigkeit,
Fähigkeit zur überzeugenden Anbietung seiner selbst,
Aufzeigen des Ausmaßes der eigenen Benutzbarkeit, dabei kreative Ausdehnung der Verwendbarkeit, selbständiges und freiwilliges Aufspüren von Nischen der eigenen Brauchbarkeit,
Nachweis umfassender Bereitwilligkeit,
Anbieten des Hinausschiebens der Leistungsgrenzen,
marktgerechte Stilisierung der eigenen Fähigkeiten,
Selbstdefinition und -darstellung als geeignetes Instrument,
selbstverständliche Anerkennung der Verhältnisse.

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Freitag, Oktober 12, 2007

Frauen und Erwerbsarbeit

Zweck der Erwerbsarbeit ist nicht
soziale Anerkennung,
Befreiung,
Unabhängigkeit,
Selbstverwirklichung/Selbstentfaltung,
sozialer Aufstieg,
Verschaffen von Erfolgserlebnissen,
persönliche Aufwertung,
größere Mitentscheidungsmöglichkeit,
Erzielung eines Einkommens,
Ausübung sinnvoller Tätigkeit.
Das mag manchmal punktuell als Nebeneffekt auftreten, zentral ist aber etwas anderes.

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Montag, Juli 02, 2007

Altern in Japan und die Vorzüge eines interessegeleiteten Nominalismus: Umstellung der Terminologie auf die Erfordernisse

Im von Überalterung bedrohten Japan soll die Bevölkerungsgruppe der Alten sich selbst helfen: Jüngere Alte betreuen ältere Alte. Außerdem soll allgemein längere Beschäftigung "ermöglicht" werden.
Dafür und für den Erhalt der Arbeitskraft älterer Arbeitnehmer in den Betrieben ist eine Umstellung der Terminologie funktional: Das Alter zwischen 30 und 70 plus soll als "mittleres Alter" bezeichnet werden (WirtschaftsWoche 26/2007).
So kann man Bezeichnungen bedenkenlos den Interessen unterwerfen - zur Verschleierung der Veränderung von Verhältnissen in Richtungen, die nicht für alle Beteiligten vorteilhaft sind.

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Montag, April 02, 2007

Modernisierungsschübe der SPD: Rente mit 67 und Senkung der Unternehmenssteuern

Längere Lebensarbeitszeit und weniger Steuern für Unternehmen - das eine dient dem Sozialstaat, das andere führe, so Steinbrück, auf die Dauer zu höheren Steuereinnahmen (u.a. deshalb, weil so die Steuerflucht der Unternehmen abnehme). Und die Mehrwertsteuererhöhung verteilt sich demokratisch auf alle - kann aber nur von einigen durch Preiserhöhungen aufgefangen werden.
"Notwendigkeiten"? Cui bono?

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Freitag, Februar 16, 2007

Japan: Schlafplatz Internet-Cafe für "freeter"

"Jeder dritte Japaner hat einen temporären Arbeitsvertrag. Vielen von ihnen bleibt nur noch das Internet-Cafe - nicht zum surfen, zum schlafen (sic)" (kurier.at 8.2.2007).
Die andere Seite von Selbständigkeit, Freiheit, Jobnomadentum: In Japan sind "freeter", Teilzeit-Job-Hopper, die ihre Wohnung verloren haben, auf Internet-Cafes als Schlafmöglichkeit angewiesen ( ab 22 h fünf Stunden für neun Euro).
Siehe dazu kurier.at/nachrichten/ausland/55637.php

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Mittwoch, Januar 10, 2007

Arbeit und Selbstbestimmung

"Das wichtigste Ziel aber bleibt, Menschen durch Arbeit die Chance zu eröffnen, selbstbestimmt leben zu können" (Hubertus Heil in FR, 6.1.2007, S. 5).
Genauso ist die Arbeit in diesen Verhältnissen eingerichtet.
Abhängige Arbeit bietet eine ausgezeichnete Chance zur Selbstbestimmung. Die Grundlage abhängiger Arbeit ist eben nicht Selbstbestimmung, da für sie die materielle Basis nicht vorhanden ist, sondern Angewiesensein; deshalb geht es auch nur um die "Chance".
Selbständig Tätige können sich auf dem Markt und innerhalb dieser Mechanismen selbstbestimmen. Marktmechanismen begrenzen Selbstbestimmung.
Dass abhängige Arbeit und Marktmechanismen im Widerspruch zu Selbstbestimmung stehen, scheint für die SPD kein Problem zu sein.

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Donnerstag, Dezember 28, 2006

"Sozialer Arbeitsmarkt" (Beck)

"Wir brauchen so etwas wie einen sozialen Arbeitsmarkt, um die Leute, die wir ansonsten nicht unterbringen können, zu integrieren" (Beck, zit. n. "WELT" 27.12.2006).
Bisher hieß das Dritter Arbeitsmarkt oder Niedriglohn-Arbeitsmarkt.
Sozial, weil Arbeit?
Sozial gleich schlechtbezahlte Arbeit?
Immer noch besser, als wenn keine Arbeit (und deshalb "sozial")?
Sozial wegen Unterstützung zur Erreichung schlechter bezahlter Arbeit?
Strukturelle Ähnlichkeit mit einem Arbeitsmarkt für Behinderte?
Integrationsakte bei Beibehaltung partieller Ausgrenzung?
Inzwischen wird es als sozial bezeichnet, Leuten schlecht bezahlte Arbeit zu verschaffen.

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Mittwoch, Dezember 20, 2006

Längere Lebensarbeitszeit gegen Demenz

Die Lebensarbeitszeit wird in Zukunft noch über 67 Jahre hinaus verlängert werden - zum Vorteil derer, die dieser Regelung unterworfen sind. Denn dies ist " wahrscheinlich das wirksamste Vorsorgeprogramm gegen die Verbreitung von Demenz" (Schäuble, zit. n. SZ 19.12.2006, S. 6).
Die Verlängerung der Lebensarbeitszeit ist also Wohltat und Akt des Altruismus für die, die sich ihr zu unterziehen haben.
Dass die zukünftige technische und wirtschaftliche Entwicklung zu mehr Arbeitsplätzen führen wird, noch dazu für mit speziellen Problemen behaftete Gruppen wie die der über 65-Jährigen, ist ja auch äußerst wahrscheinlich.

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Freitag, Dezember 01, 2006

"Menschlichkeit": Müntefering und ältere Arbeitnehmer

"Es ist eine Frage der Menschlichkeit, dass 50- oder 60-Jährige nicht zum alten Eisen gestellt werden " (Müntefering, zit. n. SZ 30.11.2006, S. 5).
Deshalb muß man ihnen mit der "Initiative 50 plus" zu Arbeit verhelfen - das steht im Kontext eines größeren Akts der Menschlichkeit, der Rente mit 67.

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